Licht am Ende des Tunnels

22. Januar 2020 4 Von Rahel Candrian

Die letzten Tage im 2019 geben wir Vollgas. Zum Glück kann uns Lisa mit Kinderbetreuung unterstützen. Wir schaffen es, das Wohnmobil komplett abzudichten. Dabei sehe ich mir die Solarpanels genauer an. Beim neuen Panel will ich die Schrauben ersetzen, weil sie schon recht gelitten haben. Doch ich komme schlecht ran wegen den beiden älteren Panels, die daneben kleben. Und da sind Risse in der Dichtmasse. Nicht gut. Also erst einmal weg mit den älteren. Leichter gesagt als getan. Nach ein paar anstrengenden Stunden auf dem Dach („Denk daran, dein Gewicht gut zu verteilen!“ heisst Ales Mantra, denn es knarrt ungemütlich) ist klar: Diese Solarpanels sind unnötiges Gewicht. Die Kabel sind durchgeschmort. Strom haben sie wohl schon lange nicht mehr erzeugt.

Hoch zu Ross

Da unser Wohnmobil jetzt (hoffentlich!) wieder dicht ist, sind wir nicht mehr auf ein Dach angewiesen. Wir entscheiden uns, die Gunst der Stunde zu nutzen und weiter zu fahren. Vielen Dank für eure Hilfe und Gastfreundschaft liebe San Bovesi! Es ist ein tolles Gefühl, wieder unterwegs zu sein. Auch die Kinder klettern zufrieden in ihre Sitze und geniessen die Fahrt. Es geht in den Norden. Im Tessin dürfen wir bei Ales Nonna bleiben. Und im Haus schlafen. Das ist wichtig bei den anstehenden Arbeiten. Denn auch nach dem Abdichten bleibt einiges zu tun.

Die letzten Arbeiten in San Bovo

Wir räumen das Wohnmobil leer und beziehen unsere Zimmer. Als Ale seine Matratze aus den Wohnmobil nimmt, entdeckt er Schimmel an der Wand. Ach du Scheisse! Echt jetzt? Draussen durchatmen und weiter machen. Klar ist, die Wand muss ersetzt werden. Und dazu nimmt Ale auch das Brett raus, auf dem das Bett war. Und weils so schön ist, reissen wir auch das Brett raus, das die Heckgarage unterteilt hat. Da hinten sieht es jetzt ziemlich nach Baustelle aus.

Wand raus, Bett raus, Brett raus

Leider zeigen auch die Matratzen (beide!) erste Anzeichen von Schimmel. Tiefpunkt. Ich habe grösste Lust, alles hinzuschmeissen. Doch Ale recherchiert und behandelt die Matratzen. Die können wir also retten. Das sind doch mal gute Neuigkeiten. Doch wo lag das Problem? War es einfach zu feucht wegen des Wassereinbruchs? Haben wir in der Kälte zu wenig gelüftet? Haben die Matratzen zu wenig Luft? Ale ersetzt die Wand und streicht die ganzen Wände und die Decke wieder weiss. Dann ist der Boden dran. Wenn wir schon dabei sind, wollen wir nachschauen, wie das Holz unter dem PVC aussieht. Mit Heissluftföhn und Spachtel verschwindet Ale ein paar Stunden im Wohnmobil. Dann gibt er Entwarnung: Darunter sieht alles gut aus. Yippie! Im Bad entferne ich alle Fugen und nehme die Duschwand, das Waschbecken und das Kästchen raus. Die Duschwanne beziehungsweise der Boden des Badezimmers können wir leider nicht so leicht herauslösen. Darum lassen wir es. Dafür wird es farbig.

Wir nehmen uns einen Tag Auszeit von den Arbeiten und gehen zusammen mit meiner Mutter Luzia ins Schwimmbad. Matteo ist ganz aufgeregt: Zug fahren, Besuch und baden. Wir alle können etwas entspannen und geniessen das Wasser, das wir fast für uns alleine haben. Und am nächsten Tag gibt es noch mehr Besuch. Ales Mutter Marina kommt vorbei und verschafft uns ein paar Stunden gemeinsame Arbeitszeit, die sie mit den Kindern auf dem Spielplatz verbringt.

Ihr seht, es geht voran. Endlich verspüre auch ich wieder Motivation und sehe ein Licht am Ende des Tunnels. Und unseren Rhythmus konnten wir anpassen, sodass die Kinder früher schlafen (und aufstehen). Nur der Kühlschrank bereitet uns Sorgen…