Über die Schweiz nach Italien

20. November 2019 4 Von Rahel Candrian

Als wir losfahren Richtung Schweiz sind wir freudig aufgeregt. Ein neues Projekt wartet darauf, in Angriff genommen zu werden. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wieder hier zu sein. Alles ist vertraut und doch entdecken wir viel Neues. Wir sind spät dran, auf dem Zugerberg liegt bereits Schnee und es ist kalt. Also müssen wir uns beeilen, um nicht im Ägerital stecken zu bleiben. Wir verlieren keine Zeit und laden schwere Dinge aus, die wir nicht brauchen werden in nächster Zeit: Campingtisch, Campingstühle, Velo, Veloanhänger, zu kleine Kinderkleider. Und dann dürfen Ale und Matteo endlich wieder in die Badewanne. Das haben sie sehr vermisst. Danach parkieren wir auf dem Campingplatz und Reto holt uns ab, um Pizza essen zu gehen. Vielen Dank für die Einladung und den Fahrservice!

Am nächsten Tag besuchen wir Marina. Während Ale, Matteo und Reto fischen gehen, kümmern sich Marina, Lorena und ich um die Wäsche. Beim Abziehen des Bettes im Alkoven sehe ich, dass die Wand nass ist. Verdammt! Wir wollten das Wohnmobil sowieso neu abdichten und uns den Alkoven genauer ansehen, doch das hätten wir lieber in aller Ruhe gemacht. Am Nachmittag beginnen Ale und ich damit, den Schaden zu begutachten. Es sieht echt übel aus. Nicht nur die linke Seite ist betroffen, sondern auch rechts und der vorderen Kante entlang finden sich weiche Stellen.

Das Holz lässt sich ganz einfach von Hand entfernen

Am Sonntag frühstücken wir zusammen mit Marina und Simona. Dann packen wir unsere Sachen und fahren weiter. Unterwegs kaufen wir endlich eine neue Gasflasche und machen kurz Halt in Zug bei Patrick und Simona (der anderen Simona), um ein paar Dinge vorbei zu bringen. An dieser Stelle entschuldigen wir uns bei allen, die wir nicht besucht haben auf unserer Durchreise durch die Heimat. Wir hoffen, ihr habt Verständnis. Wir holen es bestimmt nach. Es herrscht kaum Verkehr und wir kommen schnell voran. Unterwegs bestaunen wir die Berge. Waren die schon immer da und so gross und schön? Vielleicht nehmen wir sie gerade bewusster wahr, weil wir unseren Reiseblick drauf haben.

Schöne Bergwelt

In Lugano besuchen wir Ales Nonna. Wir ziehen für zwei Nächte ins Haus ein. Matteo und Lorena geniessen es, so viel Platz zum rennen und krabbeln zu haben. Am Montag statten wir dem Baumarkt einen Besuch ab. Was für ein nervenaufreibendes Unterfangen! Schon die Parkplatzsuche gestaltet sich schwierig. Dann gibt es die Styroporplatten und Holzleisten nicht in der gleichen Dicke. Wir sind verunsichert und diskutieren lange die verschiedenen Optionen, während die Kinder die Geduld bereits verlieren. Und dann werde ich noch hungrig. Die Nerven liegen blank und wir sind einfach nur froh, als wir den Markt nach Stunden mit viel Material verlassen und alles ins Wohnmobil passt.

Selfie mit Bisnonna

Am nächsten Tag machen wir uns auf ins Piemont. Unterwegs decken wir uns mit Lebensmitteln und Windeln ein. Wir sind später dran als gewollt und erreichen die Casa Arzola erst, als es schon dunkel ist. Dafür haben wir einen Wahnsinngsblick über die Alpen, der uns nach jeder Kurve erneut staunen lässt.

Was für ein Panorama!

Die Einfahrt zum Grundstück ist aber zu rutschig und steil für unser voll beladenes Wohnmobil. Wir schaffen es einfach nicht bis zum Haus hoch. Glücklicherweise können wir etwas unterhalb parkieren. Dann heisst es wieder packen, denn wir können im Haus meines Vaters schlafen. Dieses schöne Haus auf einem grosszügigen Grundstück steht übrigens zum Verkauf. Alle Informationen dazu findest du hier: www.casa-arzola.it.

Dieses schöne grosse Haus ist zu verkaufen

Am Morgen begrüsst uns ein blauer Himmel und es wird angenehm warm. Kaum zu glauben, dass es schon am nächsten Tag schneien soll. Mein Vater Alex leiht uns diverse Werkzeuge für die Arbeiten am Wohnmobil aus. Er rät uns aber, gleich nach San Bovo (zu seinem Bruder, also meinem Onkel) weiterzufahren. Sollten wir eingeschneit werden, hätte dort auch unser Wohnmobil ein Dach über dem Kopf und ausserdem gibt es fliessendes Warmwasser. Darum verabschieden wir uns leider schon wieder. Vielen Dank für die Gastfreundschaft und die Werkzeuge!

Fussball spielen bei frühlingshaften Temperaturen

Nach San Bovo zu kommen weckt bei mir zahlreiche Kindheitserinnerungen. Hier auf dem Reiterhof (www.sanbovo.it) habe ich als Kind fast alle meine Ferien verbracht. Es ist schön, nach langer Pause wieder da zu sein. Während Ale am Wohnmobil arbeitet, mache ich Kinderbetreuung und koche. Es spielt sich ein neuer Alltag ein.

Klopf, klopf, ist da wer?

Matteo und Lorena haben grosse Freude an den Pferden, Hunden und Katzen. Und am Abend kommt tatsächlich der Schnee. Und mit ihm leider auch ein Stromausfall. Mitten in der Nacht wird es saukalt im Womo. Erst denken wir an ein Problem mit unseren Sicherungen oder dem Stromkabel. Nach einer halben Stunde in der Kälte gebe ich auf und gehe zurück ins Bett. Jetzt heisst es warm anziehen. Am Morgen erfahren wir, dass der Strom in den meisten angrenzenden Gemeinden ebenfalls ausgefallen ist. Es scheint also ein grösseres Problem zu geben.

Matteo freut sich am Schnee und geht Skifahren (ohne Ski). Ale arbeitet den ganzen Tag am Wohnmobil, kommt aber nicht so recht voran. Ich verbringe Stunden damit, online das passende Dichtband zu suchen und werde einfach nicht fündig. Es ist kalt, nass und dunkel. Irgendwie einfach doof. Als Ale dann auch noch eine Stelle an der Rückwand des Wohnmobils entdeckt, die nass ist… Ja, da brauchen wir dringend Schokolade. Und einen Plan: Wohnmobil im Trockenen abstellen, alles ausräumen und wir hauen ab, weit weit weg. Das wärs doch.

Auch Matteo und Lorena packen mit an

Zum Schlafen ziehen wir uns ganz warm an. Nur Kappen und Handschuhe fehlen noch. Natürlich haben uns Michael und Lukas immer wieder angeboten, dass wir im Haus schlafen können. Doch das Haus steht weiter unten am Hügel und mit den Kindern rauf und runter zu laufen, besonders im Schnee und Matsch, das ist uns zu aufwändig. Und zum Glück ist der Strom am nächsten Morgen wieder da! Hurra! Und auch sonst scheint der Bann gebrochen. Ale kommt gut voran und wir finden endlich die passenden Dichtbänder. Details zu den Arbeiten am Wohnmobil werden wir noch schreiben.

Wir nutzen es aus, dass wir einen Ofen zur Verfügung haben. Matteo und Lorena haben schon fleissig Brotteig geknetet und einen Kuchen haben wir auch gebacken. Gestern hat Ale zum Znacht Costine aus dem Ofen gezaubert. Bald wollen wir wieder mal Pizza machen. Und wer weiss, vielleicht gibt es ja bald Weihnachtskekse…