Torffeuer und Black Pudding

24. Oktober 2019 0 Von Rahel Candrian

Am Morgen als ich die Türe öffne, schauen mich ein paar Schafe ganz verdutzt an. Während des Frühstücks können wir sie beobachten. Sie haben farbige Markierungen auf dem Rücken, wie die meisten Schafe, die wir hier in Irland sehen. Wahrscheinlich zeigt die Markierung an, zu welchem Hof sie gehören. Auf der weiteren Fahrt durch die wunderbare Landschaft sehen wir, dass noch immer Torf abgebaut wird. Er wird ausgestochen, gesammelt und getrocknet. Anschliessend werden die Torfblöcke zum Heizen gebraucht. Bald schon nehmen wir auch den Torffeuergeruch wahr. Er stimmt uns ganz nostalgisch und passt zur Landschaft, den alten Steinhäusern und zum Umstand, dass hier vieles nur auf Gälisch angeschrieben ist.

Torfabbau

In einem der kleinen Dörfer gibt es eine Station, um Wasser zu entsorgen und neues Wasser zu tanken. Das bedeutet: Für uns alle gibt es eine Dusche. Zum Glück sind wir so sparsam beim Duschen, dass das Wasser, welches noch im Tank drin ist, ausreicht. Denn wir haben keine passenden Münzen um neues Wasser zu tanken. Anfängerfehler! Na, irgendwo werden wir bestimmt wieder Wasser finden. À propos, es nieselt den ganzen Tag über immer wieder und weil auch die Sonne scheint, sehen wir an diesem Tag fünf Regenbogen. Herrlich! Nach einigen Schwierigkeiten finden wir einen Platz zum Schlafen an einem kleinen Pier.

Idyllisches Plätzchen

Nach dem Frühstück fahren wir nach Galway. Wir waschen unsere Wäsche und treffen uns dort mit Sara. Zusammen beratschlagen wir, was wir während ihres Besuches unternehmen wollen. Galway, Doolin, Limerick, hm irgendwie etwas zu viele Pläne. Wir verzichten auf den Stadtrundgang in Galway und machen uns auf den Weg Richtung Doolin. Unterwegs können wir Wasser tanken, doch zum Trinken ist es weniger geeignet. Zusammen mit dem letzten Sonnenlicht kommen wir an der Küste an, wo wir schlafen wollen. Der Weg ist ziemlich holprig, doch das schreckt uns nicht ab. Wunderschön ist es hier und wir haben eine gute Aussicht auf die Aran Inseln.

Die Nacht ist ruhig, es regnet nicht und windet kaum. Am Morgen kommt ein anderes Wohnmobil vorbei, das beim Wenden tatsächlich stecken bleibt. Die Kinder und ich beobachten vom Fenster aus, wie Ale und Sara den beiden anderen Campern helfen. Und dann kann endlich wieder gefischt werden. Ale fängt einen Pollack, den wir am Abend essen.

Familienporträt auf den Klippen

Doolin ist ein kleines Dörflein mit vielen Touristen. Wir sind aber nicht wegen den vielen Souvenirläden, der Livemusik oder den Bootsausflügen zu den Aran Inseln oder den Cliffs of Moher hier. Sondern wegen Dusty. Der Delfin lebt seit mehr als 20 Jahren in der Bucht und wir hoffen, ihn zu sehen. Als wir ihn nirgends entdecken, fragen wir bei einer Mitarbeiterin des Hafens nach. Sie erzählt uns, dass der Delfin ausgezogen ist. Mittlerweile legen mehr und grössere Boote am Pier an und so wurde es Dusty hier zu laut. Echt schade.

Der einzige Hinweis auf Dusty, den wir finden

Wir fahren weiter Richtung Limerick. Bei den Cliffs of Moher ist viel los und wir haben keine Lust auf den Trubel. Also schauen wir sie uns nur von Weitem an. In der Region um Limerick finden wir kaum geeignete Plätze für uns, darum müssen wir weiter weg entwas suchen. Bei Killadysert am alten Pier parkieren wir. Hier gefällt es uns. Wir haben eine wunderbare Sicht und sind ganz alleine. Während Matteo fischt, übt sich Lorena als Taschendiebin und räumt Saras Portemonnaie gründlich aus.

Seltener Anblick: Unser Womo von hinten

Sara möchte unbedingt ein richtiges Irisches Frühstück geniessen. Da sind wir natürlich begeistert dabei. Es erweist sich aber als ziemlich schwierig, ein Lokal zu finden. Schliesslich landen wir per Zufall im Restaurant eines schönen Hotels. Wir fühlen uns ein bisschen underdressed, doch unsere Kleidung scheint niemanden zu stören. Wir lassen es uns schmecken und probieren sogar white und black pudding. Schmeckt gar nicht so übel.

Full Irish Breakfast

Gestärkt machen wir uns auf nach Limerick ins King John’s Castle. Irland zu bereisen, ohne eine Burg zu besuchen geht ja nicht. Nun ist es endlich so weit. Der Parkplatz ist aber geschlossen und es kostet ein paar Nerven, eine andere Parkmöglichkeit zu finden. In der grossen Burg hat es ein spannendes Museum, das zum Mitmachen einlädt. Wir können uns als Bauherren betätigen, uns verkleiden, mit Kanonen schiessen, durch Fluchttunnel krabbeln und die Türme erkunden. So macht Museum auch mit Kleinkindern Spass.

Anschliessend heisst es Abschied nehmen. Sara fliegt am nächsten Morgen recht früh zurück und möchte lieber am Abend noch fahren, als am Morgen. Und wir wollen in die entgegengesetzte Richtung weiter. Danke für deinen Besuch, Sara. It was absolutely lovely having you here! Und vielen Dank für die Fotos, die wir auch hier im Blog verwenden dürfen!

Byebye

Nach einem Stopp zum Duschen, Abfall entsorgen (echt schwierig in einem Land ohne Abfalleimer), Wasser entsorgen und Frischwasser tanken, fahren wir eilig weiter. Es ist wieder viel zu schnell dunkel geworden. Mit dem letzten bisschen Licht des Tages erreichen wir den Parkplatz einer kleinen abgelegenen Burg. Hier schläft es sich prima. Obwohl die Burg nur von Mai bis September geöffnet ist, fahren am Morgen immer mal wieder Besucher auf den Parkplatz.

Kleine Burg, grosser Fotograf

Das Wetter ist herrlich. Darum möchten wir nicht zu lange fahren. Leider geht unser Plan nicht auf. Am Parkplatz, der so vielversprechend klang, steht ein “No Camping”-Schild. Da haben es unsere Vorgänger wohl übertrieben. Also weiter. Die Strasse führt uns in die Berge mit herrlicher Aussicht. Halloween wird in Irland gross gefeiert. Unterwegs sehen wir ein Dorf, wo es nur so wimmelt von gruseliger Dekoration. Echt sehenswert. In einem kleinen Dorf zwischen Pier und alter Eisenbahnbrücke bleiben wir eine Nacht. Es wird so kalt, dass wir morgens kurz die Heizung einschalten.

Abendstimmung über dem Meer

Ganz in der Nähe hat Ale einen Pier herausgesucht. Die Sicht aufs Meer ist toll, es hat keine Häuser rundherum und durch die Felsen stehen wir windgeschützt. Ein ideales Fleckchen für uns. Während wir fischen, können wir einen Vogel beobachten, der das gleiche macht. Schon nach kurzer Zeit hat er zwei Fische gefangen. Jetzt zieht Ale nach: Ein kleiner Sandaal hat sich den grossen Köder geschnappt (siehe letzter Beitrag). Ab und zu kommt jemand vorbeigejoggt oder besucht uns mit dem Fahrrad oder Auto. Sogar die Polizei fährt einmal vorbei. Werden wir weggeschickt? Nein, sie lachen nur freundlich, als sie unser Wohnmobil sehen und drehen um.

Die Temperaturen schwanken nachts sehr stark. Diesmal ist es richtig warm. Den Morgen nutzen wir noch zum Fischen, bis der Regen einsetzt. Bei Cork machen wir einen Halt. Wir holen Wasser und essen etwas. Dann fahren wir weiter. In Helvick Head schlafen wir.

Mystische Aussicht auf die andere Seite der Bucht

Heute Abend nehmen wir die Fähre von Rosslare nach Cherbourg in Frankreich. Wir sind schon ganz aufgeregt. Unsere erste Fähre mit Kabine und Übernachtung. Es war gar nicht so einfach, zu entscheiden, welche Fähre wir nehmen sollen. Nach Wales? Nach Frankreich? Nach Spanien? Viel zu spät haben wir gemerkt, dass im Oktober die Fähren nur noch selten fahren und doch recht teuer sind. Doch jetzt haben wir gebucht und hoffen auf wenig Seegang.