Kräftige Windböen in atemberaubender Natur

16. Oktober 2019 0 Von Rahel Candrian

Wir machen uns auf den Weg zur Fähre nach Nordirland. Plötzlich merken wir, dass wir uns in der Zeit vertan haben. Wir sind eine Stunde zu früh. Naja, damit können wir gut leben. Die Angestellten der Fährgesellschaft sind alle super freundlich und interessieren sich für unsere Reise. Die Überfahrt ist recht schauklig, doch weil wir durch die Fenster nach vorne schauen können, geht es. Der Regen bleibt uns an diesem Tag treu. Und so haben wir auch keine Lust, in Belfast auf Besichtigungstour zu gehen und fahren ohne Halt durch die Stadt. Für die Nacht finden wir einen Picknickplatz am Meer.

Farbiges Belfast

In der Nacht ist es vielen wärmer als noch in Schottland und wir beglückwünschen uns zur Entscheidung, hierher zu kommen. Ein singender Betrunkener weckt Ale zwar, doch sonst ist es ruhig. Nach dem Frühstück folgen wir der Küste. Das Wetter ist herrlich, in Annalong wird gefischt und in Kilkeel besuchen wir den Spielplatz. Besonders fallen uns die schönen Grundstücksmauern auf. Sie sind verziert und passen zum jeweiligen Haus. Zum Schlafen hat es uns zu viele Leute und so ziehen wir uns ins Landesinnere zurück.

Lorena klettert die Treppe schon ganz alleine hoch

Am See Spelga Dam bleiben wir eine Nacht. Als der Mond aufgeht und ich nach draussen gehen will, um ein Foto zu machen, will Matteo unbedingt auch ein paar Fotos schiessen.

Fotograf bei der Arbeit

Nachts regnet es und starke Windböen schütteln uns durch. Ale ist zu Beginn fast seekrank und ich frage mich, ob unser Wohnmobil umkippen kann. Mitten in der Nacht muss Ale sogar aufstehen. Die Warntafel, die wir mit Kabelbindern am Veloträger befestigt hatten, wird vom Wind abgerissen. Am Morgen gesellt sich noch dichter Nebel dazu. Es sieht richtig mystisch aus. Kaum sind wir aus dem Tal raus, sehen wir zum Glück wieder etwas.

Neblige Aussichten

Nachdem wir unsere verbliebenen Pfunde losgeworden sind, überqueren wir die (unsichtbare) Grenze nach Irland. In einer Marina können wir unser Schmutzwasser entsorgen, neues Wasser tanken und ausgiebig duschen. Matteo schnuppert und bestätigt uns: Wir duften alle gut. Beim Fährhafen von Greenore, der Nordirland und Irland verbindet, fischen wir. Leider erfolglos. Doch wir trösten uns damit, dass die anderen Fischer auch nur ganz kleine Fische gefangen haben. Danach geht es für uns weiter zum Strand von Gyles Quay. Der eigentliche Parkplatz hat eine Schranke, sodass nur Autos durch passen. Doch davor hat es genug Platz, dass wir parkieren und übernachten können. Ein bisschen ausgeschlossen fühlen wir uns trotzdem.

Fischen solange die Sonne noch am Himmel steht

Am nächsten Morgen pfeift uns der Wind um die Ohren. So können wir nicht fischen. Auch im Hafen von Clogherhead haben wir kein Glück. Her mit dem Alternativprogramm! Wir besuchen das hübsche Städtchen Drogheda und waschen unsere Wäsche. Echt praktisch, dass es hier so viele öffentliche Waschmaschinen gibt. Gleich nebenan steht ein MacDonalds. Auch sehr praktisch. Besonders der gratis Internetzugang. Wir sind schon bald recht nahe an Dublin. Die Stellplatzsuche ist schwierig. Südlich der Hauptstadt haben wir zwei Plätze gesehen, die wir ansteuern.

Ich gehe davon aus, dass wir auf der Autobahn die Stadt bequem umfahren können. Doch weit gefehlt. Schnell sind wir mitten drin und das im Feierabendverkehr. Shit happens. Irgendwann schaffen wir es doch ans andere Ende der Stadt. Der Parkplatz taugt nichts, also fahren wir weiter. Am Hafen von Bray bleiben wir, obwohl viel Betrieb herrscht, gleich daneben ein Zuggleis verläuft und es nur so wimmelt von Schwänen, Enten, Möwen, Tauben und Gänsen.

Neben dem Excalibur haben wir auch den Braveheart Drive gesehen und sind durch Hollywood gefahren

Auch am nächsten Tag haben wir Pech und suchen lange nach einem Ort zum Schlafen. Doch erst geniessen wir das gute Wetter am Strand, den wir ausnahmsweise für uns alleine haben. Bald vertreibt uns aber der Regen und wir folgen der Küste. Wahrscheinlich ein Fehler. Wir finden keinen Platz für uns. Die Parkplätze sind abgeschlossen, haben eine Höhenbeschränkung, sind zu schräg oder liegen im Wohngebiet. Ziemlich frustriert machen wir Kehrt. Wir wollen nicht mehr weiter südlich fahren, denn wir erwarten Besuch.

Wunderbarer Steinstrand in Newcastle

Und so landen wir im Wicklow Nationalpark. Wir fahren vorsichtig, denn die Schafe laufen hier frei herum. Ausserdem wird es bereits dunkel und Nebel zieht herauf. Die Nacht ist wieder sehr windig und nass. Nach einigem hin und her schafft es Ale, das Wohnmobil so zu parkieren, dass wir gerade stehen. Dafür landet er beim Aussteigen in einer riesigen Pfütze. Ohje. Das Wetter bleibt auch am nächsten Morgen regnerisch und wir machen es uns im Wohnmobil gemütlich und basteln.

Eine Schranke von vielen

Als die Sonne dann durch die Wolken bricht, machen wir uns auf zum See Glendalough. Hui, da hat es aber viele Touristen. Den Parkplatz kann man leider nur tagsüber nutzen und so fahren wir ein paar Kilometer weiter. Wir folgen dem Fluss und oberhalb eines Wasserfalls wartet ein grosser Wanderparkplatz auf uns. So gefällt es uns viel besser. Nur Internetempfang haben wir hier nicht. Macht nichts, wir wissen uns auch so zu beschäftigen.

Nach einer erholsamen Nacht geht es auf zum Campingplatz Hidden Valley. Die Reception ist erst ab 4 Uhr besetzt. Doch zum Glück kann uns die Reinigungsfrau den Code für die Schranke geben. Wir suchen uns einen Platz aus und nutzen das tolle Wetter für einen Herbstputz im Wohnmobil. Zugang zu fliessendem Wasser zu haben, hat echt seine Vorteile. Im Fluss auf dem Gelände können wir sogar noch etwas fischen, bevor unser Besuch eintrifft. Ales Schwester Simona und ihr Partner Marko haben den weiten Weg auf sich genommen. Wir freuen uns riesig, dass es geklappt hat mit dem Treffen.

En Guete!

Am Samstag ist herrliches Wetter und wir machen zusammen eine kleine Wanderung durch den Ballygannon Wald. Geplant war zwar eine andere Route, doch irgendwie sind wir schon zu Beginn falsch abgebogen und so landen wir auf dem Jubilee Walk. Der passt uns ganz gut. Matteo ist erkältet und ist darum froh, dass er einen Teil der Strecke getragen wird. Von Ale, von Simona und von Marko.

Im Städtchen Rathdrum machen wir eine Kaffeepause. Dann geht es zurück zum Campingplatz. Marko hat noch nie geangelt und das müssen wir natürlich ändern. Matteo und Ale zeigen ihm, wie es geht. Währenddessen erkundet Lorena mit Simona die Gegend. Und ich darf ganz alleine duschen gehen. Hurra! Die sechs Minuten Warmwasser sind viel zu schnell vorbei. Marko und Simona laden uns anschliessend zum Znacht ein. Vielen Dank nochmals! Am Morgen nach dem Frühstück heisst es dann schon Abschied nehmen. Die beiden besichtigen noch Dublin, bevor sie zurück in die warme Schweiz fliegen. Schön, habt ihr uns besucht!

Für uns geht es weiter Richtung Sligo an der Westküste. Am Freitag bekommen wir wieder Besuch, meine Cousine Sara kommt vorbei. Mit ihr wollen wir die Region um Galway und Limerick bereisen. Die Zeit bis dahin nutzen wir, um Connemara zu besichtigen. An der kleinen ruhigen Marina in Drumsna halten wir an. Am Fluss Shannon darf gratis gefischt werden. Das nutzen wir voll aus.

Ruhiger Fluss Shannon

Es ist recht kalt und in der Nacht beginnt es zu regnen. Der Regen hält den ganzen nächsten Tag an. Die hartgesottenen unter uns gehen trotzdem fischen und die anderen kümmern sich ums leibliche Wohl und die Routenplanung der nächsten Tage. Wir bleiben eine zweite Nacht. Und glücklicherweise bessert sich das Wetter. Bevor wir weiterfahren gehen Matteo und Ale nochmals fischen. Und jetzt mit Erfolg: Ale zieht einen Hecht an Land. Unser erster Fisch in Irland!

Ein Hecht zum Znacht

Nachdem Ale den Fisch ausgenommen, entschuppt und filetiert hat, machen wir uns auf den Weg. Unterwegs gibt es eine Schrecksekunde. Ein Büsschen kommt und auf der schmalen Strasse nah. Zu nah. Es knallt. Zum Glück war es nur der Seitenspiegel. Doch da ist etwas gebrochen und wir müssen ihn mit Klebeband fixieren.

Wir fahren bis nach Louisburgh. Dort übernachten wir am Pier mit wunderbarem Blick aufs Meer und den Croagh Patrick, den Berg des Heiligen Patrick. Am Morgen kommen viele Leute am Meer spazieren und zwei gehen sogar baden. Uns friert es schon beim Zusehen. Wir sind wohl richtige Weicheier.

Croagh Patrick

Noch vor dem Frühstück singen wir fleissig und mehrsprachig, denn Lorena wird heute 1 Jahr alt. Sie freut sich fast so fest wie Matteo. Er hilft beim Päckli auspacken, beim Kuchen verzieren und Kerze ausblasen. Wir machen uns bald auf, um das County Connemara zu erkunden. Und wir sind begeistert. Atemberaubende Natur, kleine Dörfer, viele Schafe, kaum Verkehr. Mitten im Nirgendwo schlagen wir unser Lager auf. Gute Nacht.