Eine Nacht neben dem Gefängnis

5. Oktober 2019 8 Von Rahel Candrian

Die Kontrolle unseres Wohnmobils und unserer Pässe nehmen sie sehr genau beim Fährterminal. Ein seltsames Gefühl nach so vielen Grenzübertritten, die wir kaum bemerkt haben. Die Fahrt vergeht recht schnell und viel weniger schauklig als die letzte. Schon sind wir mitten im Linksverkehrgetümmel. Als Beifahrerin bin ich nun mehr gefordert. Besonders die Kreisel bedürfen unserer vollen Aufmerksamkeit. Bei Canterbury gibt es einen grossen Parkplatz ausserhalb, von wo aus man mit dem Bus in die Stadt fahren kann. Das sehen wir in England oft. Was für eine tolle Idee! Hier können wir unsere Trinkwasservorräte auffüllen. Dann geht es weiter an die Küste.

Piratenschiff-Feeling auf der Fähre

Auf der Isle of Sheppey rasten wir direkt am Meer. So schön der Sandstrand auch ist, fürs Fischen eignet er sich nicht. Matteo fängt bei jedem Wurf Algen und nervt sich tierisch. Ausserdem wackelt das Wohnmobil hin und her, weil der Wind so stark ist. Also suchen wir einen anderen Platz zum Übernachten. Es wird allmählich dunkel, es herrscht viel Verkehr und die Strassen sind teils sehr eng. Als wir endlich beim Wanderparkplatz ankommen ist Ale nudelfertig wegen der anstrengenden Fahrt.

Bevor er nur Gras an Land gezogen hat

Es regnet die ganze Nacht durch und auch als wir aufstehen prasselt es noch immer fröhlich weiter. Darum wollen wir Strecke machen. Ganz unverhofft landen wir in einer Touristenregion südlich von Scarborough. Überall hat es Holiday Parks und Campingplätze. Doch weil es Nebensaison ist, ist nicht viel los. Auf dem Camping Crow’s Nest bleiben wir zwei Nächte. Matteo freut sich über den tollen Spielplatz, unsere Batterien können wir aufladen und ausserdem haben wir das Hallenbad ganz für uns alleine.

Aussicht über die Klippen beim Campingplatz

Wir bleiben der Küste treu und fahren nordwärts. Die Landschaft ist wunderschön und uns fallen die vielen Schafe, Kühe und Pferde auf den Weiden auf. Die Dünen bei Cheswick sind traumhaft. Doch der Parkplatz ist sehr klein und es kommen sehr viele Leute mit ihren Hunden hierher. Wir fühlen uns im Weg und brechen wieder auf. In der nächsten Ortschaft hat es an der Promenade neben dem grossen Kinderspielplatz ein Plätzchen für uns. Juhu!

Spaziergang über die Dünen

Nach dem Frühstück und dem Besuch auf dem Spielplatz statten wir Berwick-upon-Tweed einen Besuch ab. Die Stadt gefällt uns sehr, ebenso ihr Name. Hat einfach Stil. Wir spazieren auf den alten Stadtmauern rund um den Stadtkern und bewundern die drei Brücken. Das alles bei tollem Wetter. Kaum fahren wir weiter, beginnt es zu Regnen.

Hallo Schottland! Am Hafen von Stonehaven machen wir Halt. Hier entsteht unser kurzes Frage- und Antwortvideo. Am nächsten Morgen gehen wir fischen. Doch es ist noch immer regnerisch und der starke Wind vereitelt unsere Pläne. Zu Fuss erkunden wir das Städtchen und kehren in einem Pub ein, um uns aufzuwärmen und etwas zu essen. Als wir zum Wohnmobil zurück kommen, entdecken wir einen kräftigen Regenbogen am Himmel.

Jetzt geht es für uns ins Landesinnere. In Huntly gibt es einen grossen Parkplatz direkt an einem Fluss neben einem Schloss. Klingt doch super. Blöderweise stosse ich bei den Recherchen zur Fischerlizenz auf etwas. Das Schloss wird heutzutage als Gefängnis genutzt und zwar als offene Anstalt. Hm, jetzt will ich da nicht mehr übernachten… Wir fahren trotzdem hin und bleiben. Ale und Matteo entdecken ein paar wilde Hasen und wieder staunen wir über die vielen Hundebesitzer. Hat hier jeder und jede einen Hund? Am Morgen sind wir früh auf. Dank Zeitverschiebung gehen wir früher zu Bett und stehen früher auf. Mal schauen, wie lange das anhält. Jetzt geht es ans Meer. In Nairn können wir unsere Wäsche waschen und endlich wieder fischen. Matteo und Ale können sogar einen Seehund beobachten. Sehr eindrücklich ist es zu sehen, wie stark das Wasser bei Ebbe zurück geht.

Auf Wiedersehen, Clown

Nach einer Nacht am Hafen fahren wir an Inverness vorbei ans Loch Ness. Der See ist echt riesig und bis zu 230 Metern tief. Da könnte sich sicher ein Nessie versteckt halten. In Fort Augustus am Südende des Sees stoppen wir und fühlen uns wie richtige Touristen. Selbst in der Nebensaison kommen sehr viele Leute hierher. Anschliessend fahren wir zu einem Parkplatz im Grünen zum Übernachten. Es wird jetzt nachts richtig kalt. Zum Glück haben wir gute Schlafsäcke.

Der nächste Tag empfängt uns mit herrlichem Wetter. Wir kommen zu einem kleinen Pier mit tollem Blick in die Berge. Und weil es ein Meeresarm ist, können wir hier ohne Lizenz fischen. Kaum haben Ale und Matteo angefangen zu fischen, taucht ein Helikopter auf und fliegt direkt über uns hinweg. Was für ein Erlebnis. Ausserdem sieht Ale eine Otterfamilie, fängt eine Makrele und drei Krebse. Letztere sind offenbar ganz scharf auf die Fischstückchen, die Ale an den Haken gehängt hat. Auch der Sonnenuntergang ist traumhaft.

Am Morgen ist es nach der klaren Nacht saukalt, dafür ist die Aussicht aus dem Wohnmobil erneut wunderbar. Wenn wir noch Trinkwasser hätten, würden wir bestimmt länger bleiben. Aber so müssen wir nach dem Fischen weiterziehen. Wir sind auf einer schmalen Strasse unterwegs und kommen an eine Eisenbahnbrücke. Die Höhenbeschränkung ist , wie so oft, nur in Fuss angegeben. Passen wir durch?

Ja, Glück gehabt, wir passen ohne Probleme durch. Am Loch Lomond kauft Ale eine Fischerlizenz für zwei Tage. Und fischt gar nicht. Was? Ja, richtig gelesen. Die vielen Regeln verderben ihm den Spass daran. Ausserdem muss man alle gefangenen Fische wieder frei lassen. Also lassen wir es bleiben. Und so bleiben wir auch nur eine Nacht am See. Zum ersten Mal schalten wir am Morgen sogar kurz die Heizung ein. Echt brrrrrrrr.

Da, eine Bank! Schnell hinsetzen

Ich habe gesehen, dass es ein Aquarium gibt, das auf dem Weg liegt. Matteo findet die Idee spitze. Wir kommen gerade rechtzeitig für die Fütterung der Rochen und ihrer Mitbewohner. Matteo und Lorena sind begeistert von den vielen unterschiedlichen Fischen, Seepferdchen und Krebsen. Und auch uns gefällt es so gut, dass wir zwei Rundgänge machen. Nebenan gibt es eine Pizzeria, der wir auch einen Besuch abstatten. Anschliessend sind wir müde, zufrieden und vollgefressen.

Darum fahren wir nicht mehr so weit. In Ardrossan an der Promenade hat es einen grossen Parkplatz und einen tollen Kinderspielplatz. Mehr brauchen wir gerade nicht. Es ist extrem windig und in der Nacht schaukelt das Wohnmobil hin und her. Dafür wird es nicht ganz so kalt. Das ist doch auch was. Etwas weiter südlich finden wir einen ganz ähnlichen Ort: Promenade, Hafen, Kinderspielplatz. Doch die Aussicht ist in Girvan spektakulärer. Die Insel Ailsa Craig sieht doch einfach cool aus, oder?

Heute geht es für uns auf nach Nordirland. Wir nehmen die Fähre von Cairnryan nach Larne. Goodbye, Schottland!