Ein paar Sommertage

23. September 2019 0 Von Rahel Candrian

Unser Schlafplatz liegt direkt neben der Kirche, die alle 15 Minuten auf sich aufmerksam macht. Trotzdem schlafen wir gut und lange. Bevor wir weiterfahren, wollen wir die Kirche besichtigen. Doch leider ist sie verschlossen. Unser nächstes Ziel ist ein Baumarkt. Auf dem Parkplatz davor wird dann gleich gewerkelt. Endlich können wir den Tisch wieder benutzen. Doch ich habe eine richtige Hassliebe entwickelt. Einerseits ist es schön, an einem Tisch zu sitzen, andererseits ist er oft im Weg und nervt.

Kirche in Lippeborg

Kurz vor der Holländischen Grenze machen wir Halt. Während Ale sich um die defekte Rückfahrkamera kümmert, mache ich mit den Kindern einen Spaziergang durch den Wald. Es fühlt sich schon herbstlich an. Wir sammeln kleine Äste, Eichelhüte, Federn und Tannzapfen. Daraus basteln wir ein Mobile. Matteo ist begeistert.

Herbstliche Aussichten

Unser erster Eindruck von Holland ist: Alles ist klar strukturiert. Da ist ein Kanal, der schön gerade verläuft, daneben eine Allee und parallel dazu gibt es eine Strasse. Ausserdem sehen wir natürlich viele Gewächshäuser. Wir haben gelesen, dass in Holland das Freistehen verboten ist und dass die Polizei auch wirklich oft Wohnmobile von Parkplätzen wegschickt. Darum suchen wir nach Orten, wo Wohnmobile willkommen sind. Slot Loevestein ist so ein Ort: Wir dürfen 48 Stunden auf dem Parkplatz stehen. Und weil es uns da so gut gefällt, tun wir das auch. Rundherum ist eine riesige Weide, wo Pferde und Kühe unterwegs sind. Ausserdem hat es Scharen von Gänsen, die schnatternd durch die Lüfte fliegen.

Eine Kuhherde versperrt uns den Heimweg

Matteo und Ale zieht es an den Fluss. Viel zu lange konnten sie nicht angeln. Während wir mit den letzten Norwegischen Würmern fischen, können wir die Frachtschiffe beobachten, die vorbei ziehen. Es sind unglaublich viele. Ich fange einen kleinen Köderfisch. Doch bei diesem einen Fang bleibt es leider. Fürs Frühstück passen wir uns unserem Gastland an und ich mache Pancakes. Lecker, lecker.

Bevor wir weiter fahren, wollen wir das Schloss Löwenstein besichtigen. Es herrscht Trubel, denn es findet gerade eine Hochzeit statt. Wir begnügen uns mit einem kurzen Blick. Ale hat einen Campinghändler ausfindig gemacht, der einen gratis Stellplatz hat. Dort wollen wir übernachten, um am Morgen dann gleich eine neue Batterie fürs Wohnmobil zu kaufen. Die Batterie entlädt sich unserer Meinung nach viel zu schnell.

Unterwegs machen wir an einem Kanal eine Fischerpause. Matteo kommt ganz aufgeregt angerannt und ruft mir zu, dass er einen grossen Fisch gefangen hat. Der Fisch war richtig gross, ca. 50 cm lang. Doch weil es kein Speisefisch war, hat Ale ihn gleich zurück ins Wasser getan. Und so habe ich ihn nicht gesehen und es gibt auch kein Foto von ihm. Die Angelrute, welche Matteo von Wolfgang bekommen hat, scheint mächtig Glück zu bringen. Matteo ist so aufgedreht, dass wir ihm später eine Pause verschreiben müssen. Es ist zu gefährlich, wenn er so unkonzentriert mit Fischerrute und Haken hantiert.

Ein Durcheinander jagt das Nächste

Und tatsächlich können wir am nächsten Tag eine neue Batterie kaufen. Allerdings erst im zweiten Geschäft. Und obwohl es ein echt grosses Geschäft ist, finden wir von unserer langen Liste nur die Batterie. Nächstens brauchen wir Strom, damit wir sie Laden und dann anschliessen können. Damit wir in England und Irland ankommen, bevor es richtig kalt wird, fahren wir weiter. Und schon sind wir in Belgien. Kurz vor Antwerpen halten wir auf einem Stellplatz mit Wasser und Abwasserentsorgung. Das Wetter ist herrlich mit sommerlichen 25 Grad und wir verbringen den Nachmittag im Park.

Wunderschön ist es. Viele Bäume, viel Wiese, ein kleiner See, ein toller Spielplatz und eine Beachbar. Wir spielen Fussball, Lorena übt laufen und Ale kommt zu seinem ersten Belgischen Bier in Belgien. Am nächsten Tag fahren wir nach Brügge. Während unsere Wäsche im Waschsalon gewaschen wird, erkunden wir die Stadt zu Fuss. Die Nebenstrassen sind wie ausgestorben. Doch wir merken schnell, wo der Stadtkern ist: Es wimmelt nur so von Touristen. Und wir mitten drin.

Brücke in Brügge

Es hat unzählige Restaurants und Brasseries, doch leider keine kleinen Essensstände. Ich habe mich schon auf Pommes oder Waffeln gefreut. Doch ins Restaurant sitzen möchten wir nicht, das ist uns zu stressig mit den beiden Kindern. Immerhin finden wir eine Bäckerei und decken uns mit Leckereien ein. Dann setzen wir uns in den Park. Herrlich, diese grünen Oasen. Hier buchen wir die Fähre von Dunkerque nach Dover für den nächsten Tag.

Park in Brügge

Wir geben den Fähren also noch eine Chance. Erstens ist es mit nur zwei Stunden eine wirklich kurze Fahrt. Nur von Calais aus ginge es noch schneller. Doch dann müssten wir früh aufstehen und das liegt uns ja so gar nicht. Der Eurotunnel wäre natürlich auch eine Option. Aber der kostet mehr und es gibt auch nicht so viel zu sehen, wie auf der Fähre. Wir übernachten in der Nähe von Dunkerque. Und jetzt geht es auf die Fähre! Drückt uns die Daumen.