Besuch, Besuch

17. September 2019 4 Von Rahel Candrian

Meine Mutter Luzia kommt uns ein paar Tage besuchen. Sie hat ein Ferienhäuschen in der Nähe von Oslo gemietet und wir können daneben parkieren. Das Häuschen ist gemütlich und hat sogar ein Cheminée, das wir gleich einheizen. Denn es ist kühl und regnerisch. Luzia hat noch nie gefischt und das müssen wir natürlich gleich am nächsten Tag ändern. Wir fahren zum See Gåsefjorden und Matteo zeigt ihr wie er fischt. Und wie er einhängt. Auch Ale hat Pech und so verlieren wir etliches Material an den See. Immerhin finde ich einen Spinner, den jemand anderes verloren hat. Hoch oben im Baum.

Schon wieder eingehängt…

Weil uns der See kein Glück gebracht hat, wollen wir am nächsten Tag an einen anderen See fahren. Doch die Strasse dahin ist mautpflichtig und weist so viele Schlaglöcher auf, dass wir bald Kehrt machen. Wir geben dem ersten See nochmals eine Chance. Diesmal angeln wir alle abwechselnd. Luzia übt das Auswerfen, das sie nun schon fast so gut beherrscht wie Matteo. Und als immer noch nichts beisst, macht sie sich auf die Suche nach Würmern. Erfolgreich. Endlich können wir mit Wurm und Zapfen fischen. Ale und Matteo holen damit je ein Egli an Land. Es gibt Fisch zu essen!

Schöne Aussichten beim Fischen

Lorena verbringt die meiste Zeit wenn wir draussen sind in der Trage. Doch weil sie jetzt schon richtig schnell krabbeln kann, möchte sie oft viel lieber den Boden erkunden. Sie steckt sich alles in den Mund, was sie findet. Darum muss der Boden aufwändig inspiziert werden, bevor wir sie hinsetzen können. Ganz schön anstrengend. Uns fallen die vielen Pilze auf. Leider kennen wir uns damit überhaupt nicht aus und verzichten darum auch aufs Pilze Sammeln.

Ein Pilz von Tausenden

Matteo geniesst die Zeit mit Luzia. Ganz besonders das Bilderbücher vorgelesen bekommen, das Kinderlieder hören und das Schildkröten spielen. Endlich ein grosses Bett, auf dem er ausgiebig hüpfen kann (ohne sich den Koof zu stossen) und dann hängt da sogar ein Spiegel, in dem er sich beim Hüpfen beobachten kann. Einfach klasse.

Zwei Schildkröten in Aktion

Der letzte Morgen ist hektisch. Wir sind es uns einfach nicht mehr gewohnt, zu einer bestimmten Zeit aufstehen zu müssen. Doch wir schaffen es, Luzia rechtzeitig zum Bus zu bringen. Danke für deinen Besuch und die feinen Mitbringsel!

Auf Wiedersehen!

Und auch für uns geht es weiter. Oder besser zurück. Für den nächsten Tag haben wir die Fähre von Langesund nach Hirtshals gebucht. Am Hafen von Langesund fängt Matteo einen kleinen Fisch. Der wird sofort als Köder für einen grösseren verwendet. Zwar geht der Zapfen mehrmals unter, doch wir schaffen es nicht, einen Fisch an Land zu holen.

Matteo mit Fisch

Die Überfahrt mit der Fähre dauert nur 4.5 Stunden. Aber die haben es in sich bei dem regnerischen und stürmischen Wetter. Das Schiff schwankt stark. Wir fühlen uns immer unwohler je länger die Fahrt dauert. Alle bis auf Lorena. Ihr scheint das nichts auszumachen. Vielleicht schaukle ich ja auch so fest, wenn ich sie in der Trage habe. Als wir endlich wieder ins Wohnmobil gehen dürfen, sind wir heilfroh. Und kaum sind wir los gefahren, schlafen beide Kinder tief und fest.

Durchbeissen, wir haben es fast geschafft

Wir fahren noch ein Stück. Es wird nun merklich früher dunkel und so entscheiden wir uns für einen Parkplatz am Fjord in der Nähe von Aalborg. Wir verbringen eine ruhige Nacht. Erst am Morgen sehen wir, wie wunderschön der Ort wirklich ist. Saftig grüne Wiesen mit Pferden, der Fjord, blauer Himmel und kleine Grillhütten. Es windet noch immer stark. Und weil der Fjord hier zu seicht ist zum Fischen fahren wir weiter.

Morgendlicher Blick aus dem Wohnmobil

Am Limfjord machen wir Halt. Hier soll es viele Fische geben. Doch es windet zu stark zum Fischen und Matteo will bald freiwillig aufhören. Wir fahren weiter und uns fallen die vielen Häuser auf, die in dieser Region zu verkaufen sind. Auf einem grossen Parkplatz im Grünen verbringen wir die Nacht. Die Nebensaison macht sich bemerkbar, wir stehen ganz alleine da. Neben dem Parkplatz gibt es ein Toilettenhäuschen, einen Grillplatz und ein paar Tische und Bänke. Wir sind immer aufs Neue beeindruckt, welche tolle Infrastruktur es in Skandinavien gibt und wie sauber und gut im Schuss sie ist.

Am nächsten Tag fahren wir bis nach Flensburg. Im Einkaufszentrum, das wir auf dem Weg in den Norden schon besucht haben, wollen wir noch unsere Dänischen, Schwedischen und Norwegischen Kronen los werden. Für Ale und mich gibt es einen neuen Haarschnitt und für Matteo und Lorena neue Trinkflaschen. Nach dem ausgiebigen Einkaufsbummel fahren wir noch etwas weiter. Nach einiger Mühe finden wir doch einen Platz zum Schlafen in der Nähe von Schleswig.

Klare Sicht auf den Mond

Nächster Halt Hannover beziehungsweise Neustadt am Rübenberge. In Hannover lebt Erika, die Schwester von Ales Nonna und in Neustadt wohnt ihr Schwiegersohn Wolfgang mit seinem Pudel Ricky. Dass wir endlich mal in der Gegend sind möchten wir unbedingt für einen Besuch nutzen. Wolfgang hat uns angeboten, dass wir auf dem Parkplatz vor seinem Haus übernachten können und empfängt uns mit offenen Armen.

Matteo darf mit Ricky Gassi gehen

Wir bleiben zwei Nächte und werden verwöhnt: Abendessen, heisse Dusche, Haribo, Frühstück, Waschmaschine, gemeinsames Spazieren und ganz viel Geduld mit uns und unseren Rabauken. Vielen Dank nochmals, Wolfgang! Matteo freut sich ganz besonders über den Teich im Garten. Da schwimmen viele farbige Kois. Zwar ist er etwas enttäuscht, dass hier nicht geangelt werden darf, doch Fische beobachten und nass spritzen macht auch Spass. Der Garten ist ein kleines Paradies für Mensch und Tier: schöne Blumen, Trauben, Äpfel, Mirabellen, Erdbeeren, rote und gelbe Himbeeren, Rhabarber, Johannisbeeren und mehr.

Am Sonntag lädt uns Erika zum Abendessen ein. Vielen Dank für die Einladung und schön, dass wir uns sehen konnten. Zum Abschied bekommt Matteo von Wolfgang eine ganze Menge Zäpfen (in Deutschland: Posen) zum Fischen geschenkt. Matteo freut sich riesig. Jetzt müssen wir unbedingt wieder fischen gehen.

Ein wunderbarer Tag geht zu Ende

Wir fahren weiter und suchen in Bielefeld zwei Campershops auf. Die Werkstätten haben erst im November freie Termine. Und so decken wir uns mit Abdichtungsmaterial ein. Vielleicht machen wir doch einen Teil der Reperaturarbeiten selber. Mal schauen. In Lippeborg übernachten wir und gehen früh schlafen. Wir müssen alle etwas Schlaf nachholen.