Durch Tunnel und über Felsen

9. September 2019 2 Von Rahel Candrian

Auf dem Weg zum Jostedal Nationalpark fahren wir über einen Pass. Starke Steigungen und viele Kurven. Unser Wohnmobil hält sich sehr gut. Bis wir auf dem Weg nach unten einen seltsamen Geruch bemerken. Sind das die Bremsen? Oder das Getriebe? Wir legen eine Pause ein, finden aber nicht heraus, was es ist. Uns kommt der alte Mann in den Sinn, den wir in Griechenland mehrfach getroffen haben. Was hat er uns geraten? Ah ja, die Lüftung sollen wir auf höchster Stufe laufen lassen. So kühle der Motor etwas ab. Machen wir. Wir sind nicht sicher, ob es hilft, kommen aber heil unten an und der Geruch verflüchtigt sich. Glück gehabt.

Ein paar Fotos von unterwegs

Als wir aus dem Tal hinaus fahren, wartet der Sognefjord auf uns. Leider finden wir kein Plätzchen zum Angeln oder Übernachten. So fahren wir weiter ins Jostedal Tal. Wir übernachten am Fluss. Es sieht richtig mystisch aus mit dem hellen Wasser und dem Nebel, der daraus aufsteigt.

Nebel über dem Fluss, der vom Gletscher kommt

Am Morgen fahren wir zum Besucherzentrum des Gletschers. Es gibt diverse Wanderungen in der Region. Wir entscheiden uns für eine kürzere und einfachere. 3 Kilometer bis zum Gletscher Nigardsbreen. Naja, wir würden das eher als Klettern und Kraxeln bezeichnen. Es ist anstrengend und die erste Hälfte des Weges kann Matteo nur an Ales Hand bewältigen. Doch es lohnt sich. Lorena erwacht gerade rechtzeitig fürs Familienbild. Wir bestaunen den wunderschönen Gletscher und den reissenden Fluss und sind froh um unsere Mützen und Jacken, die wir mitgeschleppt haben. Es weht ein eisiger Wind. Wahnsinn, was Matteo da geleistet hat. Wir rufen uns immer wieder in Erinnerung, dass die Felsen für ihn doppelt so gross sind und die Stufen doppelt so hoch.

Nach dieser Wanderung freuen wir uns, hinsitzen zu dürfen. Da wir nicht den ganzen Weg inklusive Pass zurück fahren wollen, folgen wir dem Fjord und nehmen eine Fähre. Eine sehr kurze Fähre. Wir haben gar nicht richtig mitbekommen, ob sie schon losgefahren ist, da legen wir auf der anderen Seite an. Schnell finden wir in der Nähe einen Ort zum Übernachten. Wir schlafen aber nicht so gut, die Strasse nebenan ist stärker befahren als vermutet. Ausserdem hat Matteo einen Albtraum. Er habe einen Fischerhaken im Bein, erklärt er Ale, als dieser ihn endlich wach bekommt.

Riesige Kreuzfahrtschiffe im Fjord

An den nächsten Tag werden wir uns sicher ewig als den Tunneltag erinnern. Gleich das erste Tunnel hat es in sich. Der Laedalstunnel ist nämlich 24.5 Kilometer lang und somit der längste Tunnel, den wir je durchfahren haben. Damit die Fahrt nicht so monoton ist, gibt es zwischendurch drei farbig beleuchtete Grotten.  Es folgen diverse weitere Tunnel. Leider haben wir sie nicht gezählt, aber mehr als 20 waren es bestimmt. Und in einem davon hat es sogar einen Kreisverkehr. Es gibt in dieser Region beeindruckende Berge, wunderschöne Fjorde und tosende Wasserfälle zu bestaunen. Kurz vor der Insel Vestre Bokn übernachten wir.

Die beleuchteten Grotten im Laerdalstunnel

Weil am Morgen ein Mann den Rasen auf unserem Übernachtungsplatz mäht, fahren wir gleich los. Frühstücken können wir ja auch, während wir auf die Fähre warten. Doch die Wartezeit reicht nicht einmal, um Wasser für den Kaffee zu kochen. Die Norweger sind einfach viel zu gut organisiert. So nutzen wir die Überfahrt fürs Frühstücken und schon legt die Fähre wieder an. Wir fahren an Stavanger vorbei ans Meer. Es ist ein richtiger Sommertag. Am Nachmittag werden die Wellen höher und der Parkplatz füllt sich mit Surfern. Wir suchen uns einen ruhigeren Ort an einem kleinen Hafen und bleiben zwei Nächte.

Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie unterschiedlich Camper sind. Während die einen im Auto schlafen, haben andere einen umgebauten Van, dann gibt es diverse unterschiedliche Wohnmobiltypen bis hin zu richtigen Luxusdingern.

Auto, Büssli und Luxuswohnmobil

Endlich kann ich eine Norwegische SIM-Karte kaufen. Und noch etwas können wir erledigen, wovon wir schon lange gesprochen haben. Wir saugen das Wohnmobil. Leider hält das nicht lange. Unser nächster Stopp liegt an einem schönen Sandstrand. Zufall? Karma? Da das Campen sowieso verboten ist, fahren wir weiter und gelangen zur Paradiesbucht. Der Name ist Programm. Ein fantastischer Ort. Wir spielen Memory und erfinden Geschichten mit den abgebildeten Tieren und Gegenständen. Was für ein Spass!

Das sieht doch fast aus wie auf den Lofoten

Am nächsten Tag bekommt Matteo einen neuer Kinderautositz. Lorena erbt seinen Alten und kann jetzt beim Fahren auch etwas sehen. Ausserdem kann Matteo ihr so nicht mehr seinen Fuss ins Gesicht strecken, wenn es ihm langweilig wird. Doch schon beim ersten Stopp merken wir, dass er sich jetzt selber abschnallen kann. Da müssen wir uns dringend etwas einfallen lassen. Denn im Wohnmobil kann das noch viel gefährlicher sein als im Auto. Am Hafen, wo wir übernachten windet es stark. Schlafen können wir darum nicht gut. Das Wohnmobil schaukelt und klappert immerzu. Dafür konnten wir Kitesurfer beobachten. Das ist doch auch etwas.

Neue Kindersitze, hurra!

Für die nächste Nacht suchen wir darum einen richtig ruhigen Platz und werden fündig. Tagsüber hat es zwar einige Spaziergänger dort, doch in der Nacht sind wir alleine. Und weil der Parkplatz nicht direkt am Meer ist, merken wir auch nichts vom Wind. Zur Küste spazieren wollen wir aber doch. Auf der Karte sieht es nach einem gemütlichen Rundweg aus. Nur auf der Karte. Der Weg führt über Steine und Felsen. Und so finden wir uns erneut kletternd wieder. Gerade noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang schaffen wir es zurück zum Wohnmobil.

Fischen in der Makrelenbucht, leider erfolglos

Hier fängt Matteo seinen zweiten Fisch. Diesmal ist er gross genug, dass wir ihn essen können. Matteo erzählt uns gern, wie er den Fisch gefangen hat. Dabei besteht er aber darauf, dass es sich um einen kleinen Fisch handelt. Auch Ale bringt einen Fisch mit. Er hat die Makrele von anderen Fischern geschenkt bekommen, die mehr Glück hatten als er.

Wir verbringen einen weiteren Tag an der Küste. Es ist wunderschön hier. Doch der Wind bleibt uns treu. Etwas abseits vom Meer finden wir wieder einen geschützten Platz für die Nacht für uns alleine. Die Batterie unseres Womos bereitet uns aber Sorgen. Selbst an sonnigen Tagen wird die Batterie über die Solarpanels nicht ganz aufgeladen. An bewölkten Tagen ist sie abends sogar so leer, dass wir keine elektronischen Geräte daran aufladen können. Eigentlich sollte sie auch durch das Fahren aufgeladen werden. Doch das bezweifeln wir mittlerweile stark. Dem müssen wir unbedingt nachgehen.

Bevor wir am nächsten Morgen Richtung Oslo weiter fahren, räumen wir die Heckgarage um und Matteo bekommt einen neuen Haarschnitt verpasst. Unterwegs singen wir viel. So viel habe ich wahrscheinlich noch nie gesungen. Und auch nicht so laut. Schliesslich muss ich ja gegen die Fahrtgeräusche des Wohnmobils ansingen. Mit der Stellplatzsuche haben wir kein Glück und so ist es schon dunkel und wir sind noch unterwegs. Endlich erreichen wir einen Parkplatz am Wasser. Es sind schon ein paar andere Wohnmobile da und die Strasse hören wir gut. Doch weiterfahren ist keine Option mehr. Augen zu und schlafen.

Willkommen im Coiffeursalon chez Ale

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen des Wassers. Es regnet den ganzen Tag. In Oslo finden wir endlich eine Wäscherei und lassen so ziemlich alles waschen, was uns in die Finger kommt. In der Zwischenzeit weichen wir uns in einem Hallenbad ein. Matteo übt das Paddeln mit den Beinen und kann sich schon bald gut über Wasser halten. Und auch Lorena planscht wie wild und versucht es Matteo nachzumachen. Wir sind froh, als wir die Hauptstadt wieder verlassen können. Zu viel Verkehr, zu viele Menschen, zu viel Hektik.

Hoffentlich macht unsere Wäsche damit keine Zeitreise

Wir verbringen eine ruhige Nacht am Fluss Glomma. Unser grosses Ziel für den nächsten Tag ist es, unsere Gasflasche zu füllen. Wir füllen sie erst zum zweiten Mal in fünf Monaten. Um den Abwassertank zu leeren und neues Wasser zu tanken müssen wir ein Stück in den Süden fahren. In Mysen gibt es nicht nur eine Versorgungsstation, sondern auch einen Stellplatz mit gratis Strom. Vielen Dank, unsere Batterie freut sich ganz besonders darauf. Am Morgen fahren wir nach Løken, um meine Mutter abzuholen. Sie besucht uns und hat ein gemütliches Ferienhäuschen gemietet.